Nachbericht: 1. Fokusveranstaltung für „Bildung & Erziehung“

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Es wurde zugehört, nachgehakt und mitdiskutiert – mit etwa 30 engagierten Bürger*innen durften wir am 9. März Teil der ersten begleitenden Fokusveranstaltung des Wettbewerbs „Frieslands Helden der Heimat“ sein. Zum Schwerpunkt „Bildung & Erziehung“ waren zahlreiche interessante Speaker vor Ort, darunter Kerstin Heuer (Futurepreneur), Nora Hilbert (beWirken) und Andreas Hensinger (hey ju design). Eine passendere Location als die IGS Friesland-Süd hätte man hierfür kaum wählen können, denn hier wartete nicht nur eine exzellente Verpflegung auf uns (vielen Dank an dieser Stelle an den Förderverein!) – auch thematisch werden viele der vermittelten Inhalte an der Gesamtschule bereits tatkräftig umgesetzt, wie wir von der Schulleiterin Heike Neumann erfahren haben.

Nils Dreyer (Hilfswerft) bei Frieslands Helden der Heimat
Nils Dreyer (Hilfswerft) gibt einen Überblick zum aktuellen Stand der Bewerbungen

Nils Dreyer aus dem Hilfswerft-Team präsentierte einen kurzen Zwischenstand der Bewerbungen. Alleine für den Bereich „Bildung & Erziehung“ wurden bereits 15 Projekte nominiert. Darüber hinaus haben sich mittlerweile knapp 10 Initiativen eigenständig beworben und es kommen stetig neue hinzu. Dabei geht es laut Kristian Evers, Vorstandsvorsitzender der Barthel-Stiftung, um wesentlich mehr als die Vergabe von Fördermitteln:

 

„Mit den Vertiefungsveranstaltungen möchten wir die Teilnehmenden für gesellschaftliche Herausforderungen sensibilisieren, den wechselseitigen Austausch fördern und ganz konkretes Handwerkszeug für die praktische Umsetzung neuer Ideen vermitteln.“ – Kristian Evers

Nora Hilbert (beWirken) bei Frieslands Helden der Heimat
Nora Hilbert (beWirken) begeistert das Publikum mit innovativen Bildungsansätzen

Fokus „Jugendbildung“ mit Impulsen von Futurepreneur und beWirken

Viel Inspiration lieferten die beiden Impulsvorträge. Kerstin Heuer machte uns als Gründerin von Futurepreneur mit dem Konzept ihrer Organisation vertraut: Unter dem Motto „Zukunft selber machen“ weckt das Programm bei Jugendlichen die Begeisterung, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Mit unternehmerischen Denk- und Handlungsweisen sollen junge Menschen zu kreativen Gestaltern ihres Lebens und der Gesellschaft werden.

 

Ebenso interessiert zugehört wurde beim Vortrag von Nora Hilbert, der Geschäftsführerin von beWirken. Die Vision von beWirken ist, Jugendbildung in Deutschland zu verändern und Jugendlichen Freiräume zu schaffen. Dabei geht es um Lernen auf Augenhöhe und Kompetenzentwicklung durch eigene Erfahrung in praktischen Projekten. Nach diesem Ansatz hat beWirken eine passende Antwort gefunden und das Programm „Jugend Projekt Challenge“ entwickelt. Nora Hilbert fasst die Vision kurz und prägnant zusammen:

 

„Jugendliche brauchen Freiräume, Partizipation und mehr Teilhabe an unserer Gesellschaft.“ – Nora Hilbert

„Die junge Generation auf dem Land“ – Eine muntere Diskussionsrunde

Nach dem motivierenden Input aus den beiden Vorträgen startete die Diskussionsrunde, bei der sich auch das Publikum mit Fragen beteiligen konnte. Thematisiert wurden die Herausforderungen für junge Menschen auf dem Land. Was sind die Anforderungen der jungen Generation an einen attraktiven Lebensraum? Warum zieht es so viele in städtische Gebiete? In der lebhaften Diskussion sprach man auch über die Sehnsucht junger Menschen, in die Heimat zurück zu kehren. Aus dem Publikum gab es die Anmerkung, dass ländliche Strukturen durchaus lebenswert sind, wenn deren wertvolle Potentiale erkannt und gefördert werden. Das Format „Helden der Heimat“ versucht diesem Anspruch gerecht zu werden, indem es sich auf die lokale Ebene konzentriert auch kleine Initiativen sichtbar macht. Denn bürgerschaftliches Engagement gibt es auch (oder gerade?) in weniger dicht besiedelten Flächen und sollte eine entsprechende Wertschätzung erfahren.

Kristian Evers (Barthel-Stiftung), Nils Dreyer (Hilfswerft), Nora Hilbert (beWirken), Kerstin Heuer (Futurepreneur), Heike Neumann (IGS) bei Frieslands Helden der Heimat
Eine anregende Diskussion (v.l.n.r.): Kristian Evers (Barthel-Stiftung), Nils Dreyer (Hilfswerft), Nora Hilbert (beWirken), Kerstin Heuer (Futurepreneur), Heike Neumann (IGS)

Idee, Umsetzung, Kommunikation – Das Handwerkszeug zur Realisierung eigener Projekte

In einer Kaffeepause konnten wir die bisherigen Eindrücke für einen Moment sacken lassen. Danach haben sich die Teilnehmenden in zwei Workshops noch intensiver mit der Realisierung ihrer eigenen sozialen Projekte auseinandergesetzt. Zur Wahl standen die Themen operatives Projektmanagement – „Von der Idee bis zur Umsetzung“ und Kommunikation – „Wie erfährt die Welt von meinem Projekt?“

Der Workshop „Projektmanagement“ baute auf dem Konzept von beWirken und dem selbst entwickelten Vier-Phasen-Modell auf, welches die Jugendlichen zum selbstständigen Handeln befähigt. Mithilfe des Social Business Canvas Modells haben die Teams die Entwicklung ihrer eigenen Geschäftsidee hinterfragt, bewertet und nach wichtigen Themen analysiert. So beschrieb man das Problem, fokussiert die Zielgruppe, stellte Werte und Ziele auf, entwickelte Lösungsansätze, identifiziert Ressourcen, machte sich Gedanken über Kosten und Einnahmen, suchte nach passenden Kommunikationskanälen – es gab regen Austausch und tolles Netzwerken. Am Ende formulierten die Teams für ihr Geschäftsmodell eine Vision und stellten diese dem Publikum vor.

Teilnehmende des Workshops zum Thema Kommunikation bei Frieslands Helden der Heimat
Im interaktiven Austausch: Teilnehmende des Workshops zum Thema Kommunikation

Der Workshop von Andreas Hensinger begann ungewöhnlich. Auf einmal hatten alle Teilnehmenden einen Zettel am Rücken hängen. Andere Personen sollten einander nach verschiedenen Fragen auf diesem Zettel einschätzen – ohne sich darüber zu unterhalten. Genau wie die einzelnen Personen im Raum einen wortlosen Eindruck hinterlassen, so geht es mit Projekten und Organisationen. Der Workshop „Titel“ war nun dafür da, dieses Image zu steuern: Was sende ich bewusst an wen und wie? Zunächst wurde das Unternehmen von Andreas Hensinger und seiner Kollegin Juie Jittinan Kitsumritiroy vorgestellt. hey ju berät zum Thema Produktdesign soziale Einrichtungen wie z.B. Behindertenwerkstätten. Flyer sind aus festem Papier, es gibt sogar kleine Visitenkarten aus Holz. Der Empfänger merkt: Hier soll etwas Haptisches entstehen, die Form folgt der Ausrichtung von hey ju. Das ist für Hensinger die Kunst des Marketings: „In den Kopf gelangen, im Kopf bleiben – und zwar positiv!“ Hierzu muss erst einmal feststehen, für was die Projekte im Raum stehen sollen. In kurzen Arbeitsphasen wird über die Vision, die Mission und die dabei wichtigen Werte reflektiert. Wenn dies der Stamm des Ideenbaums ist, sind die Früchte das konkrete Angebot, welche von den „Vögeln“ der Zielgruppe wahrgenommen werden sollen. Über diese Zielgruppe nachzudenken war der nächste Aspekt: Wie ticken sie, wie ist ihre Wahrnehmung, ihre Wünsche? Nach diesen tiefgehenden Überlegungen wurde es gegen Ende noch einmal praktisch: ein Slogan wurde sich für die Projekte ausgedacht. Dazu wurden Post-Its verwendet, welche mit Assoziationsbegriffen beschrieben wurde. Durch wildes Kombinieren sollte dann ein Leitspruch dabei herauskommen. Zum Schluss stellte der Produktdesigner dann noch die verschiedenen Kommunikationskanäle wie Facebook, Zeitungen oder Außenwerbung samt Stärken und Schwächen vor.

Teilnehmerin Swenja Joseph und Kerstin Heuer (Futurepreneur) bei Frieslands Helden der Heimat
Strukturierung der Ergebnisse (v.l.n.r.): Teilnehmerin Swenja Joseph und Kerstin Heuer (Futurepreneur) verwenden dafür das Canvas-Modell zum Projektmanagement

Ergebnissicherung und Raum zum wechselseitigen Austausch

Nach der intensiven Gruppenarbeit waren die Teilnehmenden natürlich gespannt auf die Ergebnisse des jeweils anderen Workshops. Diese wurden kurz zusammengefasst, so dass es danach noch genug Raum für Fragen und ein lockeres „Get together“ gab. Bei Bedarf konnten die Teilnehmenden im Bewerbungscoaching ganz konkrete Tipps von Experten zur erfolgreichen Teilnahme am Wettbewerb bekommen. Benny Hartwig (GIZ gGmbH) als Teil der Jury, begegnete den Bewerber*innen aber auf Augenhöhe:

„Natürlich geht es hier auch um ein gutes Abschneiden im Wettbewerb und dafür gebe ich gerne Ratschläge. Konkurrenzdenken ist dennoch kaum präsent, schließlich geht es uns allen um eine gute Sache – das schweißt zusammen.“ – Benny Hartwig

Ausblick: So geht es weiter mit „Helden der Heimat“

Nach dieser tollen Veranstaltung freuen wir uns umso mehr auf die nächste Fokusveranstaltung am 20. April 2018 zum Thema „Umweltschutz“. Natürlich wurde auch hier der Veranstaltungsort ganz bewusst ausgewählt: Im Nationalpark-Haus in Dangast warten wieder spannende Impulse und Workshops auf uns. Am besten direkt anmelden

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann eigene Projekte übrigens weiterhin online einreichen. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 15. Mai 2018. Weitere Infos im Bewerbungsportal

Anhang: